Amara vom Giesenfeld

Es ist nun schon über 1 Jahr her, seit unsere Babsy uns verlassen hat. Es ist leer in unserem Haus, wenn nur Eddy und Ilko, gelegentlich auch Finchen, uns Gesellschaft leisten. Wir lassen uns viel Zeit bei der Überlegung um ein neues Hovawart-Mädchen. Es wird und soll kein Ersatz für Babsy sein, aber es sollte mit größter Wahrscheinlichkeit ähnliche Anlagen (Gene) mitbringen, mit denen es, vielleicht in ein paar Jahren, die Zucht im Zwinger „vom Rothenbruch “ fortführt. Mit dem A-Wurf „vom Giesenfeld“, meinen häufigen Besuchen dort in der Welpenkiste, werden unsere (meine) Überlegungen dann beendet.

Und so herrscht seit Mitte Januar 2006 mit „Amara“ wieder Leben in unserer Hundefamilie. Viel Leben! Warum ausgerechnet Amara? Es sind ihre Augen; mit denen sie schon in der Welpenkiste auffällt und der uns so vertraute „wissende“ Blick. Sie beobachtete die Welpenbesucher sehr genau und hatte schon bald den Namen „Fräulein Skepsis“.

Ja und nun fragen wir uns: kann ein Hovawart-Mädchen einen solchen „Querkopf“ haben? So stur sein? Oh ja, sie kann! Unter dem Motto: „Wenn ich nicht will, dann willichnicht“, dauern unsere „Erziehungseinheiten“ meist etwas länger als geplant; bis schließlich die „Vernunft“ siegt.

So ausgeglichen und unauffällig sie im Haus ist, sobald es ins „Grüne“ geht, zeigt sie ihre „muntere“ Seite. Nichts erscheint ihr beängstigend, bedrohlich oder gefährlich. Kein Zweibeiner, kein Vierbeiner, kein Auto. Es gibt nichts, das man nicht unbedingt mal schmecken, evtl. auch verspeisen muss und es gibt kein Wässerchen, keine Pfütze, kein Sumpfloch, keinen Bach oder Tümpel, in den „man“ nicht hineinfällt, -steigt, -klettert oder -plumpst. Eine besondere Technik hat Amara im Überspringen von breiteren, etwas tieferen Bächen entwickelt: Vater Ilko’s Rücken eignet sich bestens……. Sollte es dann trotzdem nicht so ganz hinhauen….. Tauchen gehört inzwischen auch zu einer ihrer „besonderen“ Fähigkeiten. (Inzwischen halte ich nicht mehr die Luft an, wenn sie im Wasser verschwindet.) Ebenso wie die „Rolle“ seitwärts, – vorwärts, – rückwärts, bei der „man“ grundsätzlich zwecks sanfter Landung die weicheren Maulwurfhügel auswählt….. Dies wiederum macht zuhause den Einsatz des Wasserschlauches erforderlich. Ist diese Art der „Reinigung“ für unsere übrigen Hunde mehr als lästig und unangenehm; so nicht für unseren Schmutzfink. Es ist angenehm, wenn sie sich dann, endlich sauber und (irgendwie) trocken gerubbelt, wie ein wirklicher Hovawart „abgekämpft“ und zufrieden, eine ruhige Hausecke sucht und kaum bemerkbar ist.
Amara ist kein Jahr alt, als Ilko uns verlässt. Erst jetzt, nach seinem Abschied zeigt sich, wie sehr er Einfluss auf ihre Entwicklung genommen hat. Nicht nur der „beste Kumpel“ fehlt ihr, sondern auch der „Lehrer“ mit seiner Sicherheit, seiner souveränen Haltung gegenüber anderen Artgenossen und seiner freundlichen Haltung gegenüber großen und kleinen Zweibeinern. Bis dahin zeigte er ihr, wie man/ Hund mit „brenzligen“ Situationen umgeht. Nun, auf sich alleine gestellt, sucht sie eine viel engere Beziehung zu ihren zweibeinigen Familienmitgliedern, weniger zu unseren beiden Oldies Eddy und Finchen. Sie zählt zu den sehr lernfähigen (intelligenten) Hovis, die sich mit Freude an gestellte Aufgaben heranmachen und mit jedem „Erfolg“ und/ oder „Lob“ ein Stückchen (nun gelegentlich fehlende) Selbstsicherheit finden. Eine solche Lernfähigkeit kannte ich von meinen bisherigen Hovawart-Hunden nicht.

So ruhig und „unsichtbar“ sie im Haus ist, so temperamentvoll und übermütig zeigt sie sich unterwegs. Wir haben uns an ihre „Gummisprünge“ gewöhnt, mit denen sie alle, manchmal plötzlich auftauchende, Hindernisse überspringt. Es bekümmert ein wenig, dass sie nur selten einen passenden Spielgefährten hat, mit dem es sich so herrlich durch das Laub fegen lässt. Unsere Oldies zeigen kein Interesse an ihren Aufforderungen und gehen lieber auf Mäusesuche.
Es sind inzwischen Jahre vergangen. Aus unserem „Übermut“ ist längst eine „erhabene“ Hovawart-Hündin geworden. Mara zeigt von Jahr zu Jahr die von mir so geliebten Wesenszüge ihrer Uroma Babsy, wie auch deren kräftige, derbe Statur. Sie ist selbstbewusst, sehr intelligent und zeigt sich sehr lernfreudig. Sie ist freundlich im Umgang mit Artgenossen; jedoch nur solange diese sich ihr gegenüber freundlich verhalten. Gleiches gilt für fremde Menschen, die freundlich begrüßt werden, sofern sie wissen, dass ein Hovawart „eine Persönlichkeit“ ist, die von Außenstehenden keine Anweisungen oder gar Befehle annimmt. Mara ist ein absolut zuverlässiger Begleiter. Sie begleitet mich, natürlich mit Marlon, auf regelmäßigen täglichen langen Waldspaziergängen (gelegentlich unsere Töchter beim Joggen). Sie zeigt keinerlei Jagd- bzw. Beuteambitionen und bleibt stets in der gewünschten Entfernung. Dennoch, sie hat „ihren eigenen Kopf“! Sie zeigt ihren Stolz! Was-sie-nicht-will-das-will-sie-nicht!(!), sei denn für ihren zweibeinigen Partner.

Mit Mara geht 2011, nach einer 9jährigen Zuchtpause, der Traum in Erfüllung, noch einmal Hovawart-Welpen aufziehen zu dürfen.