Der Hovawart

Auch wenn die Rasse “ HOVAWART“ noch recht jung ist, erste Zuchtbucheintragungen findet man im Jahre 1922, so wird der „hovewart“ bereits ab dem 13. Jahrhundert in verschiedenen deutschen Schriften erwähnt. Es gab damals keinen einheitlichen Hundetyp. Sein Name „Hofwächter“ = „hove wart“ sagte bereits alles über seine Anlagen und Aufgaben aus. Das Erscheinungsbild bot einen mittelgroßen bis großen, derben, kräftigen, langhaarigen und hängeohrigen Hund. Jedoch lassen verschiedene Zeichnungen und Abbildungen kein einheitliches Bild über sein Aussehen zu. Gewiss ist, dass eben überall dort, wo sich Hunde unkontrolliert vermehren konnten, gerade dieser Typ besonders weit verbreitet war, der anders als die Hetz- und Jagdhunde der feinen Gesellschaft Haus und Hof zu hüten hatte. Er zeichnete sich durch seine hervorragenden Wach- und Schutzhundeeigenschaften aus sowie durch sein gutes Sozialverhalten in der Gemeinschaft mit seinen Menschen und anderen Tieren. Besonders seine ihm angeborenen Wesenseigenschaften, verbunden mit einer sehr guten Lernfähigkeit waren es wert, diesen Hundetyp zu festigen.
Bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts wurden konkretere Versuche unternommen, eine Zuchtrichtung zu erhalten. Hier und da gab es gezielte Ansätze, ohne dass man eine Rasse benannte. Man hatte eben Gefallen gefunden an diesem besonderen „Germanenhund „, der in das damalige Zeitgeschehen nur zu gut hinein passte. Er bot sicherlich auf verschiedene Weise eine gute Alternative zum Deutschen Schäferhund.
Wenn auch heftig umstritten, so muss man nach heutigen Erkenntnissen K.F. König als den Herauszüchter der Rasse Hovawart ansehen. Auch wenn viele seiner Zuchtbemühungen im Finsteren bleiben, ihm seine vielen Gegner jeglichen Verdienst absprachen – schließlich bemühten sich zu dieser Zeit verschiedene Individualisten um ein einheitliches Zuchtbild. K.F. König gelang 1922 mit sechs gleichgesinnten Freunden endlich die Durchzüchtung. Es wurde mit dem „Verein für Deutsche Schutzhunde“ mit Sitz in Thale der erste Hovawart-Zuchtverein gegründet.
Die erste Zuchtbucheintragung wurde im gleichen Jahr von K.F. König vorgenommen. Zuchtgrundlage boten in erster Linie derbe, robuste, typvolle Bauernhunde, die sich auf entlegenen Höfen in Harz und Odenwald fanden. Durch Einkreuzung bereits bestehender Hunderassen wie Neufundländer, Kuvasz, Leonberger, Deutscher Schäferhund und Afrikanischer Wildhund, entstand mit der Zeit eine recht bunte Mischung. Durch besonders strenge Zuchtauswahl, die nur mit sehr, sehr viel Engagement, Individualismus und einer großen Portion Durchsetzungsvermögen möglich war, zeigten sich bald erste Erfolge. Man hatte das Idealbild aufgebaut, das wohl als Ausgangsbasis der heutigen Hovawart-Zucht angesehen werden kann. 1937 erlangte der Hovawart die offizielle Anerkennung als eigenständige Rasse.
Alle diese Erfolge machte der 2. Weltkrieg zunichte. Viele Hunde wurden – ob mit oder ohne ihre Besitzer – zum Kriegsdienst herangezogen. Wertvolle Zuchttiere und Zuchtunterlagen sowie fast alle Papiere gingen verloren. Nach Kriegsende bildeten sich weit über Deutschland verteilt kleinere Zuchtgruppen. Es gab keine einheitliche Zuchtrichtung mehr. Jede Gruppe verpaarte nach eigenem Geschmack und eigenen Vorstellungen. Dies hatte zur Folge, dass sich je nach Region sehr unterschiedliche Hovawart-Typen entwickelten.
Unter Zusammenschluss verschiedener kleinerer Zuchtverbände erfolgte 1948 die Gründung des „Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V.“.
Anders als K.F. König verfolgten die dortigen Anhänger der Hovawart-Zucht eine Anerkennung dieser Rasse als Gebrauchshund. Dieses Ziel wurde nach vielen erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den Verfechtern der alten Zuchtrichtung, sowie den Fürsprechern der modernen Zuchtform (auch Sportzucht geschimpft) 1964 erreicht.
Es ist auch oder gerade heute sehr gut zu verstehen, dass der tatsächliche Begründer dieser Rasse nicht bereit war, diesem Schritt zu folgen. Seine Grundidee, seine ursprünglichen Ideale von „dem Hovawart“ waren dort nicht mehr gefragt. Man legte weniger Wert auf die Wesensanlagen mit angeborenem ausgeprägtem Schutz- und Wachtrieb, mit sehr hoher Reizschwelle bei ansonsten freundlichem Wesen, als vielmehr auf den Sporthund, der sich immer mehr von den Zuchtanfängen abgrenzte.
Diese Zuchtrichtung hat sich leider bis heute immer mehr durchgesetzt.
Nur sehr wenige Zuchtvereine sind auch heute noch bemüht, den Hovawart nach alten Zuchtidealen zu erhalten. Hierzu zählt auch der „Verein für Hovawart-Hunde e.V.“ mit Sitz in Lindlar.